Wichtige Erkenntnisse
- PIM zentralisiert Produktdaten und ist der richtige Einstieg für die meisten Hersteller und Großhändler mit wachsenden Katalogen.
- DAM verwaltet digitale Dateien — Bilder, Videos, Dokumente — und funktioniert am besten ergänzend zu einem PIM, nicht als Ersatz dafür.
- MDM deckt alle Stammdaten im Unternehmen ab und ist vor allem für große Unternehmen mit komplexen Systemlandschaften relevant.
- Die Grenze zwischen PIM und MDM verschwimmt bei größerem Maßstab. Große Kataloge mit komplexen Import- und Exportanforderungen benötigen oft ein System, das beides abdeckt.
- Ein DAM ohne konsequente Verschlagwortung liefert kaum Mehrwert. Die Governance rund um das System ist genauso wichtig wie das System selbst.
Ein Produktmanager aktualisiert drei Tabellen für zwei Kanäle, während ein Kollege eine eigene Version derselben Daten in einem gemeinsamen Laufwerk pflegt. So sieht Datenchaos in der Praxis aus — und genau dort landen die meisten Unternehmen mit wachsenden Produktkatalogen, wenn sie kein geeignetes System im Einsatz haben.
PIM, DAM und MDM lösen jeweils einen Teil dieses Problems. Sie lösen aber unterschiedliche Teile davon, und die falsche Wahl kostet Zeit und Geld.
Was ist PIM?
PIM steht für Product Information Management. Ab einer bestimmten Anzahl von SKUs wird die manuelle Pflege von Produktdaten für Hersteller und Großhändler zu einem echten Zeitfresser.
Ein PIM-System zentralisiert Produktbeschreibungen, Bilder und Attribute in einer einzigen Datenbank. Es reichert diese Daten an, verbessert die Qualität und veröffentlicht Produktinformationen über mehrere Vertriebskanäle. Alle Beteiligten haben jederzeit Zugriff auf dieselbe aktuelle, medienneutrale Version der Produktdaten.
PIM verwaltet auch komplexe Datenstrukturen: Produktvarianten, Attribute, Kategoriehierarchien. Es ermöglicht, unterschiedliche Versionen von Produktinhalten für verschiedene Kanäle gleichzeitig aufzubereiten, und reduziert den manuellen Aufwand bei der Datenpflege.
Was die meisten Unternehmen unterschätzen: die Arbeit, die nötig ist, um Attribute sauber zu strukturieren, bevor ein PIM echten Mehrwert liefert. Eine durchdachte Taxonomie ist der Punkt, an dem Implementierungen am häufigsten ins Stocken geraten.
Was ist DAM?
DAM steht für Digital Asset Management. Ein DAM-System speichert und verwaltet digitale Dateien im gesamten Unternehmen: Fotos, Videos, PDFs, InDesign-Dateien, Illustrationen, 3D-Modelle, Datenblätter, Bedienungsanleitungen und mehr. Es erleichtert das Speichern, den Zugriff und die Veröffentlichung von Assets in den jeweils benötigten Formaten.
DAM ist für Marketing- und Vertriebsteams bei Herstellern und Großhändlern konzipiert. Es unterstützt eine breite Palette von Dateitypen und umfasst Metadatenverwaltung sowie automatische Formatkonvertierung.
Was viele Teams nicht einkalkulieren: Ein DAM braucht konsequente Verschlagwortung und Metadatendisziplin, um seinen vollen Nutzen zu entfalten. Ein DAM voller ungetaggter Assets ist nicht mehr als ein teures gemeinsames Laufwerk. Das System ist nur so nützlich wie die Governance dahinter.
Was ist MDM?
MDM steht für Master Data Management und dient der Verwaltung von Stammdaten im gesamten Unternehmen. Mehrere widersprüchliche Datenquellen sind in größeren Unternehmen ein weit verbreitetes Problem — MDM begegnet dem mit Methoden zur Datenbereinigung, -transformation und -integration.
Ein MDM-System kann Qualitätsschwellenwerte durchsetzen, bevor neue Daten ins System gelangen. Es verwaltet Assets, Kunden-, Lieferanten-, Mitarbeiter-, Standort- und Produktdaten — vereint in einer zentralen Datenbank und synchronisiert mit externen Systemen wie ERP oder CRM.
Aufgrund dieser Komplexität ist MDM eher für große Unternehmen mit umfangreichen Systemlandschaften geeignet als für kleine oder mittlere Betriebe. Es ist zudem das teuerste der drei Systeme in der Einführung und das schwierigste im Scope. Unternehmen, die diese Komplexität unterschätzen, enden oft mit einem System, das Daten auf dem Papier regelt, in der Praxis aber Reibung erzeugt.
PIM, DAM, MDM: Die wichtigsten Unterschiede
PIM vs. MDM
Beide Systeme zentralisieren Daten. Der Unterschied liegt im Umfang.
PIM ist speziell für Produktinformationen konzipiert. MDM deckt alle Stammdaten im Unternehmen ab: Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter, Standorte und mehr.
Ein größerer Umfang bedeutet nicht automatisch die bessere Wahl. PIM bietet produktspezifische Funktionalitäten, die MDM nicht hat: die Verwaltung komplexer Attributstrukturen, Produktvarianten und kanalspezifischer Inhalte. In diesem Sinne ist PIM eher ein Marketing- und Commerce-Tool. MDM ist ausschließlich auf Stammdaten-Governance ausgerichtet.
Ein Großhändler, der häufig neue Vertriebskanäle erschließt und konsistente Produktdaten über alle Kanäle benötigt, ist ein klarer PIM-Kandidat. Ein Hersteller, der Produkt- und Lieferantendaten über mehrere ERP-Systeme hinweg verwaltet und strenge Qualitätsanforderungen an jeden Dateneingangspunkt stellt, passt besser zu MDM. Manche Unternehmen brauchen beides.
In einem unserer Projekte verwaltet ein Kunde knapp eine halbe Million Produkte mit komplexen Anforderungen an Datenimport und -export über mehrere Systeme hinweg. Ein PIM allein reichte für die Stammdaten-Governance nicht aus, ein reines MDM hätte die Anforderungen an die Produktinhalte nicht abgedeckt. Wir haben eine Lösung auf Basis von AtroPIM implementiert, die beides abdeckt — mit einer MDM-fähigen Architektur für den gesamten Umfang.
Wenn das Hauptproblem die Verwaltung von Produktdaten ist, ist PIM fast immer einfacher einzuführen und wirtschaftlicher als MDM. Wenn der Katalog aber groß genug und die Systemlandschaft komplex genug ist, verschwimmt die Grenze zwischen beiden.
Einige PIM-Systeme können als vollwertige MDM-Tools eingesetzt werden. Manche MDM-Systeme decken genug PIM-Funktionalität ab, um praktikabel zu sein. Die Entscheidung hängt vom tatsächlichen Funktionsumfang ab und sollte im Einzelfall getroffen werden.
PIM vs. DAM
Ein PIM-System stellt das Produkt in den Mittelpunkt. Es speichert Produktbilder und Assets zusammen mit Produktvarianten, Beschreibungen, Kategorien, Attributen und kanalspezifischen Daten. Die DAM-Funktionalität der meisten PIM-Systeme ist jedoch rudimentär. Sie reicht für eine überschaubare Anzahl von Produktbildern aus, stößt aber bei wachsendem Volumen schnell an Grenzen.
Ein Hersteller, der Zehntausende von Produktbildern in einem PIM verwalten möchte, das nicht dafür ausgelegt ist, wird auf fehlende Metadatenkontrollen, keine automatische Formatkonvertierung und eingeschränkte Asset-Suche stoßen. Die Assets werden schwer auffindbar und kaum wiederverwendbar. Das ist der praktische Preis eines fehlenden DAM.
Einige PIM-Systeme bieten eine fortgeschrittene DAM-Funktionalität — AtroPIM und Pimcore gehören dazu. Sie sind aber die Ausnahme. Für die meisten Unternehmen ist die Kombination aus PIM und einem dedizierten DAM-System der zuverlässigere Ansatz.
MDM vs. DAM
MDM und DAM stehen selten in direktem Wettbewerb. MDM regelt strukturierte Stammdaten über Geschäftssysteme hinweg. DAM verwaltet unstrukturierte digitale Dateien für Marketing- und Content-Teams. In großen Unternehmen können beide im Einsatz sein — MDM für die Datenverwaltung, DAM für die kreative Asset-Bibliothek. In der Praxis überschneiden sich die beiden Systeme kaum.
Welches System ist das Richtige?
Die richtige Antwort hängt davon ab, wo der eigentliche Datenschmerz liegt.
- Wer mehrere Systeme mit überlappenden Datensätzen hat und Datenqualitätsprobleme im gesamten Unternehmen lösen möchte, ist mit MDM gut beraten.
- Wer digitale Assets — Bilder, Videos, Dokumente — kollaborativ für Marketing oder andere Zwecke verwalten möchte, investiert sinnvoll in DAM.
- Wer Tausende von Produktdatensätzen hat und noch keine strukturierte Verwaltung dafür aufgebaut hat, ist mit PIM richtig aufgestellt — gegebenenfalls in Kombination mit einem DAM.
| PIM | DAM | MDM | |
|---|---|---|---|
| Anwendungsbereich | Medienneutrale zentrale Speicherung der Produktinformationen | Zentrale Bibliothek für digitale Assets | Stammdatenverwaltung für mehrere Geschäftsbereiche |
| Zielgruppe | Hersteller, Groß-, Einzel- und Onlinehändler | Unternehmen mit Bedarf an digitaler Asset-Verwaltung | Größere Unternehmen mit komplexer Systeminfrastruktur |
| Hauptziel | Verstreute Produktdaten in einem zentralen Repository als Single Point of Truth zusammenführen | Verstreute digitale Assets zentral speichern und in benötigten Formaten bereitstellen | Mehrfach gespeicherte Datensätze in unterschiedlichen Systemen durch Synchronisation vereinheitlichen |
| Hauptfunktionen | Produktdatenverwaltung, Datenvereinheitlichung, Workflows, Qualitätsprüfung, kanalspezifische Aufbereitung, Datenpublikation | Zentrale Asset-Speicherung, Verschlagwortung, Metadatenpflege, automatische Konvertierung, Nutzungsverfolgung | Stammdatenverwaltung, Datenvereinheitlichung, Workflows, Datenqualitätsprüfung, Datenbereitstellung |
| Vorteile | Reduziert Aufwand und Kosten, senkt Fehlerquote, geringere Einführungskosten als MDM, besser geeignet für Produktdaten | Systematisiert Asset-Verwaltung, reduziert manuellen Aufwand, geringste Einführungskosten der drei Systeme | Reduziert manuellen Aufwand und Betriebskosten, senkt Fehlerquote, vereinheitlicht Stammdaten systemübergreifend |
| Nachteile | Komplexe Lösung, nicht immer benutzerfreundlich, Synchronisation mit anderen Systemen erforderlich | Für Produktinformationsverwaltung nicht geeignet, Synchronisation mit anderen Systemen erforderlich | Hohe Systemkomplexität, hohe Kosten, keine Spezialisierung auf Produktdaten, Synchronisation erforderlich, hohe Einführungskosten |
MDM sieht auf den ersten Blick aus wie die Lösung für alles — aber ein DAM oder PIM löst das eigentliche Problem oft schneller und günstiger. Und wer mit einer halben Million SKUs und komplexen Datenflüssen zwischen mehreren Systemen arbeitet, braucht wahrscheinlich eine Kombination aus allen drei.