Zentrale Erkenntnisse
Produkttaxonomie ist ein strukturiertes System, das definiert, wie Produkte organisiert, miteinander in Beziehung gesetzt und beschrieben werden. Sie umfasst Kategorien, Klassifikationen, Hierarchien, Attribute und Beziehungen, die gemeinsam Betrieb, Merchandising, Suche und Analyse unterstützen.
Kernprinzipien:
-
Kategorien vs. Klassifikationen: Kategorien definieren, wo ein Produkt zu finden ist, während Klassifikationen beschreiben, was das Produkt ist. Beide sind essenziell, auch wenn Marktplätze sie häufig austauschbar verwenden.
-
Hierarchien & Beziehungen: Eltern-Kind-Hierarchien verwalten Varianten; Produktlinien, Bundles und Assoziationen verbessern Merchandising und Kundenerlebnis.
-
Attribute & Vererbung: Attribute können aus Kategorien oder Klassifikationen vererbt werden, was Konsistenz sicherstellt und Redundanz reduziert.
-
Balance & Skalierbarkeit: Zu komplexe Taxonomien erhöhen den Wartungsaufwand; zu einfache schränken die Funktionalität ein. Ziel ist eine flexible Struktur, die mit dem Unternehmen wächst.
-
Governance & Pflege: Regelmäßige Audits, Verfeinerungen und klare Governance-Prozesse halten die Taxonomie sauber, konsistent und auf Geschäftsziele ausgerichtet.
Eine gut gestaltete Produkttaxonomie fungiert als kritische Infrastruktur, ermöglicht effiziente Abläufe, bessere Kundenerlebnisse und aussagekräftigere Analysen. Sie wächst organisch und dient mehreren Stakeholdern.
Was ist Produkttaxonomie als System
Eine Produkttaxonomie ist ein strukturiertes System zur Organisation, Benennung und Verknüpfung von Produkten, sodass sie über alle Geschäftssysteme hinweg leicht auffindbar, verständlich und verwaltbar sind.
Im Kern beantwortet sie grundlegende Fragen: Was ist dieses Produkt? Wie steht es in Beziehung zu anderen Produkten? Welche Eigenschaften definieren es? Wie sollen Kunden es entdecken?
Eine robuste Produkttaxonomie bildet das Rückgrat von E-Commerce-Plattformen, Warenwirtschaftssystemen, Analyse-Dashboards und kundenorientierten Funktionen. Sie ermöglicht effiziente Suche und Navigation, treibt Empfehlungssysteme an, unterstützt Merchandising-Strategien und liefert die Struktur für aussagekräftiges Reporting.
Wenn sie gut umgesetzt ist, wird Produkttaxonomie zu einer unsichtbaren Infrastruktur, die alles andere reibungslos funktionieren lässt. Dieser umfassende Ansatz wird oft als Product Management Taxonomy bezeichnet – ein Rahmenwerk, das nicht nur Kategorisierung, sondern das gesamte Spektrum von Produktbeziehungen, Attributen und Organisationsstrukturen umfasst.
Product Management Taxonomy
Kategorien und Klassifikationssysteme
Kategorien und Klassifikationen erfüllen unterschiedliche, aber sich ergänzende Zwecke in der Produkttaxonomie, auch wenn die Grenze zwischen ihnen in bestimmten Kontexten verschwimmen kann.
Klassifikationen beantworten die grundlegende Frage: „Was ist dieses Produkt?“ Sie beschreiben die inhärente Natur des Produkts basierend auf physischen Eigenschaften, funktionalen Merkmalen oder regulatorischen Anforderungen. Eine Klassifikation könnte „Lithium-Ionen-Batterie“, „Verderbliches Lebensmittel“ oder „Medizinprodukt der Klasse II“ sein. Diese Bezeichnungen bleiben stabil, unabhängig davon, wie oder wo das Produkt verkauft wird. Klassifikationen steuern typischerweise operative Prozesse, Compliance-Anforderungen, Versandmethoden, Lagerbedingungen und Garantiebedingungen.
Klassifikation ist kein neues Konzept, und es wurden branchenweite Klassifikationssysteme entwickelt, um Konsistenz über Organisationen und Lieferketten hinweg sicherzustellen. eCl@ss und ETIM (European Technical Information Model) sind zwei prominente Beispiele, die hauptsächlich in industriellen, elektrischen und technischen Produktdomänen verwendet werden. Diese Standards bieten hierarchische Klassifikationsstrukturen sowie standardisierte Attributdefinitionen und ermöglichen so einen nahtlosen Datenaustausch zwischen Herstellern, Händlern und Käufern.
Alle großen Marktplätze haben ebenfalls eigene Klassifikationsstandards entwickelt. Amazon, eBay, Walmart und andere verlangen von Anbietern, ihre Produkte marktplatzspezifischen Kategorien zuzuordnen und verpflichtende Attribute für diese Kategorien bereitzustellen. Beispielsweise muss ein Anbieter, der Elektronik auf Amazon anbietet, bestimmte Attribute wie Marke, Modellnummer und technische Spezifikationen angeben, wie sie durch die Amazon-Klassifikation für diesen Produkttyp definiert sind. Dies stellt Konsistenz in der Produktdarstellung sicher und ermöglicht effektives Filtern und Vergleichen über verschiedene Verkäufer hinweg. Anbieter, die auf mehreren Marktplätzen tätig sind, stehen häufig vor der Herausforderung, ihre internen Klassifikationen auf mehrere externe Standards abzubilden, die jeweils leicht unterschiedliche Anforderungen und Terminologien haben.
Kategorien hingegen beantworten die Frage: „Wo verkaufen wir dieses Produkt?“ Sie repräsentieren die Navigationsstruktur, die Kunden zum Durchsuchen des Katalogs verwenden, und spiegeln eher die Merchandising-Strategie als das Wesen des Produkts wider. Eine Lithium-Ionen-Batterie könnte auf einer Fotografie-Website in der Kategorie „Kamera-Zubehör“, in einem Elektronikgeschäft in der Kategorie „Ersatzteile“ oder in einem Industriekatalog in der Kategorie „Energielösungen“ verkauft werden. Kategorien können sich je nach saisonalen Aktionen, Marktpositionierung oder Kundenverhaltensmustern ändern, ohne dass sich das Produkt selbst grundlegend verändert.
Diese Unterscheidung bietet starke Flexibilität. Eine Winterjacke behält ihre Klassifikation als „Outerwear – isoliert“ (was definiert, was sie ist), während sie im Laufe ihres Lebenszyklus zwischen den Kategorien „Neuheiten“, „Winter-Essentials“ und „Abverkauf“ (wo sie verkauft wird) wechselt. Die Klassifikation löst die passenden Fulfillment-Prozesse aus, während Kategorien die Auffindbarkeit für Kunden und Merchandising-Ziele optimieren.
In Marktplatzkontexten wird diese saubere Trennung jedoch oft unschärfer. Plattformen wie Amazon, eBay oder Etsy verwenden häufig kategorieähnliche Strukturen sowohl zur Definition dessen, was Produkte sind, als auch zur Organisation der Kundennavigation. Ein Marktplatz könnte beispielsweise eine Kategorie „Damen-Wintermäntel“ haben, die sowohl als Klassifikation (Produkte müssen bestimmte Kriterien erfüllen) als auch als Browsing-Ziel (Kunden navigieren hierher, um einzukaufen) dient. In solchen Umgebungen kollabiert die Unterscheidung zwischen Klassifikation und Kategorie, und die Produkttaxonomie muss mit sorgfältigem Design beide Zwecke erfüllen, um Konflikte zu vermeiden.
Produkthierarchien und Variantenmanagement
Produkthierarchien definieren Eltern-Kind-Beziehungen, die verschiedene Spezifizierungsstufen abbilden. Diese Struktur ist essenziell für die Verwaltung von Produktvarianten – Artikeln, die im Kern dasselbe Produkt sind, sich aber in bestimmten Attributen wie Größe, Farbe oder Material unterscheiden.
Eine typische mehrstufige Hierarchie könnte wie folgt aussehen:
- Masterprodukt: Das abstrakte Konzept (z. B. „Klassisches Baumwoll-T-Shirt“)
- Elternprodukt: Ein bestimmter Stil oder ein Modell (z. B. „Klassisches Baumwoll-T-Shirt – Rundhals“)
- Kindprodukte: Einzelne SKUs (z. B. „Klassisches Baumwoll-T-Shirt – Rundhals – Blau – Medium“)
Dieser hierarchische Ansatz bietet mehrere Vorteile:
- Kunden können alle verfügbaren Optionen für ein Produkt sehen, ohne von einzelnen SKUs in den Suchergebnissen überfordert zu werden
- Die Bestandsverwaltung wird anspruchsvoller, da Verfügbarkeiten auf mehreren Ebenen verfolgt werden können
- Preisstrategien können auf Elternebene angewendet und an Kinder vererbt werden, mit Ausnahmen für bestimmte Varianten
- Analysen können Verkaufsdaten von Kind-SKUs aggregieren, um die Performance des Elternprodukts zu verstehen
Die Tiefe der Hierarchie hängt von der Produktkomplexität ab. Modehändler benötigen oft tiefe Hierarchien, um Stil-, Farb-, Größen- und Passformvarianten zu verwalten. Digitale Produkte können flachere Strukturen haben. Entscheidend ist, die Hierarchie so zu modellieren, dass sie reale Produktbeziehungen widerspiegelt, anstatt künstliche Strukturen zu erzwingen.
Attribute und Vererbungsmodelle
Attribute beschreiben Produkteigenschaften – von physischen Abmessungen und Materialien bis hin zu Leistungsdaten und Kompatibilitätsinformationen.
Die Stärke einer gut gestalteten Produkttaxonomie liegt in der Attributvererbung, bei der Produkte automatisch Attribute basierend auf ihrer Position in Kategorien, Klassifikationen oder Hierarchien erhalten.
Attributdatentypen und ihre Bedeutung
Die Auswahl des geeigneten Datentyps für jedes Attribut ist entscheidend und oft schwieriger, als es zunächst erscheint. Attribute können in verschiedenen Datentypen dargestellt werden, und diese Wahl wirkt sich direkt darauf aus, wie Kunden Produkte suchen und filtern können:
- Text/String – Freitextbeschreibungen wie Produktnamen, Modellnummern oder Materialien. Flexibel, aber schwer präzise zu filtern und nicht für Bereichssuchen geeignet.
- Numerisch – Maße wie Gewicht, Abmessungen, Kapazität oder Preis. Ermöglichen Bereichsfilter (z. B. „Laptops mit 16–32 GB RAM“) und Sortierung.
- Dezimal/Float – Präzise Messwerte mit Nachkommastellen, etwa Spannung (12,5 V), Abmessungen (15,6 Zoll) oder Gewicht (2,45 kg). Wichtig für technische Genauigkeit, kann aber die Filterung erschweren.
- Boolean – Ja/Nein- oder Wahr/Falsch-Attribute wie „wasserdicht“, „kabellos“ oder „refurbished“. Erzeugen intuitive Checkbox-Filter.
- Single-Select/Aufzählung – Vordefinierte Listen mit genau einem auswählbaren Wert, z. B. Farbe, Größe oder Zustand.
- Multi-Select – Attribute mit mehreren gleichzeitigen Werten, z. B. „kompatible Geräte“, „verfügbare Farben“ oder „unterstützte Formate“.
- Datum/DatumZeit – Herstellungs-, Ablauf- oder Veröffentlichungsdaten. Wichtig für verderbliche Waren, limitierte Editionen oder Filter wie „Neuheiten“.
- Bereich – Wertepaare, die ein Spektrum darstellen, z. B. „Altersbereich: 5–7 Jahre“ oder „Temperaturbereich: –10 °C bis 40 °C“.
- Hierarchisch – Verschachtelte Werte wie Kategoriestufen oder Klassifikationshierarchien, z. B. „Material: Stoff > Baumwolle > Bio-Baumwolle“.
- Maßeinheiten – Numerische Attribute mit zugehörigen Einheiten (z. B. Gewicht in kg/lbs, Länge in cm/Zoll), inklusive Umrechnung für internationale Zielgruppen.
Die Herausforderung bei der Auswahl geeigneter Datentypen ergibt sich aus mehreren Faktoren:
- Mehrdeutigkeit in Produktdaten: „Größe“ kann numerisch (12 oz), textuell (Medium) oder hierarchisch (Bekleidung > Herren > Large) sein.
- Inkonsistente Lieferantendaten: Unterschiedliche Formate für dasselbe Attribut erfordern Normalisierung.
- Weiterentwicklung über die Zeit: Ein Attribut beginnt als Text und muss später zu einer Aufzählung werden.
- Internationale Unterschiede: Maßeinheiten, Dezimaltrennzeichen und Datumsformate variieren.
- Filterkomplexität vs. Benutzerfreundlichkeit: Mehr Struktur verbessert Filter, kann aber Nutzer verwirren.
- Suchintegration: Unterschiedliche Datentypen werden von Suchmaschinen unterschiedlich indexiert.
Ein häufiger Fehler ist, alle Attribute aus Einfachheitsgründen als Text zu behandeln. Das vermeidet anfänglich Probleme, schränkt jedoch die Filtermöglichkeiten massiv ein und führt zu schlechten Kundenerlebnissen.
Vererbung und Effizienz
Vererbung funktioniert auf mehreren Ebenen. Ein Produkt mit der Klassifikation „Elektronik“ erbt Attribute wie „Spannung“, „Garantiezeitraum“ und „Energieeffizienzklasse“. Innerhalb dieser Klassifikation fügt eine Kategoriezuordnung wie „Laptops“ Attribute wie „Bildschirmgröße“, „Prozessortyp“ und „RAM“ hinzu. Produktspezifische Attribute können geerbte Werte überschreiben oder ergänzen.
Dieses Vererbungsmodell bietet enorme Effizienzgewinne:
- Neue Produkte erhalten automatisch relevante Attribute
- Regulatorische Änderungen lassen sich zentral umsetzen
- Einheitliche Attributstrukturen erleichtern Vergleich, Validierung und Filtersuche
Das System muss jedoch Ausnahmen erlauben – etwa zusätzliche Attribute für Gaming-Laptops.
Produktlinien
Produktlinien gruppieren verwandte Produkte mit gemeinsamer Markenidentität, Designsprache oder Marketingpositionierung. Sie organisieren für Merchandising und Markenmanagement, nicht für Navigation oder Betrieb.
Produktlinien können Kategorien überschreiten und unterstützen kuratierte Kollektionen, Storytelling und Kampagnen, ohne die Kernstruktur zu stören.
Produktbundles
Produktbundles fassen mehrere Produkte zu einem festen oder konfigurierbaren Paket zusammen. Sie erfordern eine starke Taxonomie, um Kompatibilität, Bestand, Preisgestaltung und Analyse korrekt abzubilden.
Bundles können vordefiniert oder dynamisch sein. Dynamische Bundles benötigen Regeln zur Kompatibilität auf Basis von Attributen oder Klassifikationen.
Produktassoziationen
Produktassoziationen definieren Beziehungen zwischen nicht hierarchisch verbundenen Produkten und treiben Empfehlungen, Cross-Selling und Upselling.
Häufige Assoziationstypen sind:
- Zubehör: Artikel, die das Hauptprodukt ergänzen oder erweitern
- Alternativen: Ähnliche Produkte zu unterschiedlichen Preispunkten oder mit unterschiedlichen Funktionen
- Ersatzteile: Komponenten, die verschleißen oder kaputtgehen können
- Erforderliche Komponenten: Artikel, die benötigt werden, damit das Hauptprodukt funktioniert
- Upgrades: Höherwertige Versionen des Produkts
- Kompatible Produkte: Artikel, die auf Basis technischer Spezifikationen zusammenarbeiten
- Komplementäre Artikel: Produkte, die häufig gemeinsam gekauft werden, um eine vollständige Lösung zu erhalten
Diese Assoziationen können auf verschiedenen Ebenen der Taxonomie definiert werden. Alle Laptops können beispielsweise auf Kategorieebene mit Laptoptaschen und externen Mäusen verknüpft sein. Ein bestimmtes Laptopmodell kann hingegen produktbezogene Assoziationen mit kompatiblen Dockingstationen haben. Auch hier spielt Vererbung eine Rolle. So erhält ein neuer Laptop automatisch die Assoziationen auf Kategorieebene, während gleichzeitig produktspezifische Überschreibungen möglich bleiben.
Die Stärke und Richtung von Assoziationen sind entscheidend. Eine Kamera hat eine starke Assoziation mit Kameraobjektiven (hochrelevantes Zubehör), während Objektive oft nur eine schwächere umgekehrte Assoziation mit Kameragehäusen haben (da viele Objektive zu mehreren Gehäusen passen). Bidirektionale Assoziationen unterstützen Funktionen wie „Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, kauften auch“, während unidirektionale Assoziationen gezieltes Cross-Selling ermöglichen.
Die Produkttaxonomie kann zudem Assoziationsregeln statt expliziter Beziehungen abbilden. Zum Beispiel: „Verknüpfe alle Produkte mit der Klassifikation ‚Kameragehäuse‘ mit Produkten der Klassifikation ‚Wechselobjektiv‘, bei denen der Bajonetttyp übereinstimmt.“ Dieser regelbasierte Ansatz skaliert deutlich besser als die Pflege einzelner Produkt-zu-Produkt-Assoziationen, insbesondere in Katalogen mit Tausenden von Artikeln.
Gestaltung für Skalierbarkeit und Effizienz
Eine effektive Product-Management-Taxonomie erfordert eine sorgfältige Berücksichtigung von Struktur, Flexibilität und Governance. Die folgenden Prinzipien helfen sicherzustellen, dass Ihre Taxonomie effizient skaliert und dabei langfristig wartbar bleibt.
Ausbalancieren von Tiefe und Breite
Kategorientiefe (Anzahl der Ebenen) und -breite (Anzahl der Optionen pro Ebene) erfordern eine sorgfältige Balance. Tiefe Taxonomien mit vielen Ebenen bieten hohe Spezifität, können Kunden jedoch überfordern und die Navigation umständlich machen. Flache Taxonomien vereinfachen die Navigation, zwingen jedoch möglicherweise zu viele Produkte in breite Sammelkategorien, was das Auffinden spezifischer Artikel erschwert.
Wichtige Überlegungen zur Balance von Tiefe und Breite:
- Kundenorientierte Navigation: Begrenzen Sie die Kategorientiefe auf 3–5 Ebenen, um Kunden nicht zu überfordern
- Kognitive Grenzen: Befolgen Sie die „7±2-Regel“ (Menschen können 5–9 Optionen gleichzeitig gut vergleichen)
- Filter statt Tiefe: Über 3–5 Ebenen hinaus sollten Filter, Attribute und Suche genutzt werden, um Kunden bei der Eingrenzung zu unterstützen
- Operative Flexibilität: Interne Taxonomien (Klassifikationen, Engineering-Hierarchien) können tiefer und breiter sein, da sie anderen Zwecken dienen
- Kontext ist entscheidend: Ein Hersteller kann ein 10-stufiges Klassifikationssystem für das Engineering pflegen, während Kunden eine vereinfachte 3-stufige Struktur präsentiert wird
- Signale für Umstrukturierung: Wenn eine Kategorieebene deutlich mehr Unterkategorien hat als andere, sollte eine Neuorganisation oder das Einfügen zusätzlicher Zwischenebenen erwogen werden
Flexibilität und Zukunftssicherheit
Skalierbare Taxonomien ermöglichen Wachstum, ohne dass grundlegende Umstrukturierungen erforderlich sind. Das bedeutet, bereits in der Designphase Flexibilität einzuplanen:
- Verwenden Sie flexible Klassifikationssysteme, die neue Produkttypen aufnehmen können, ohne sie in unpassende bestehende Kategorien zu zwingen
- Entwerfen Sie Attributschemata, die erweitert werden können, ohne bestehende Integrationen zu beeinträchtigen
- Erstellen Sie Hierarchieregeln, die Produkte mit unterschiedlichen Komplexitätsgraden berücksichtigen
- Planen Sie Mehrfachkategorisierung ein, um Produkte abzubilden, die berechtigterweise an mehreren Stellen eingeordnet werden
- Implementieren Sie Versionskontrolle für Taxonomieänderungen, um historische Konsistenz zu wahren
- Bauen Sie abstrakte Oberkategorien, die zukünftige Unterkategorien aufnehmen können
Berücksichtigen Sie, wie Ihre Taxonomie mit Sonderfällen umgeht:
- Was passiert, wenn ein Produkt berechtigterweise in mehrere Kategorien passt?
- Wenn ein neuer Produkttyp entsteht, der nicht in bestehende Strukturen passt?
- Wenn sich die Marktsprache weiterentwickelt und Kategorienamen veralten?
- Wenn Produktlinien die Grenzen traditioneller Kategorien verwischen?
Systeme, die diese Szenarien durch Mehrfachkategorisierung, flexible Benennungskonzepte und Versionskontrolle elegant handhaben, skalieren deutlich besser als starre Strukturen, die bei Veränderungen eine komplette Neugestaltung erfordern.
Governance und Pflege
Selbst die bestgestaltete Taxonomie verschlechtert sich ohne Governance. Etablieren Sie klare Verantwortlichkeiten, Dokumentation und Change-Management-Prozesse:
- Definieren Sie, wer neue Kategorien anlegen, Klassifikationen hinzufügen oder Attributdefinitionen ändern darf
- Dokumentieren Sie Zweck und vorgesehenen Einsatz jeder Taxonomiekomponente
- Implementieren Sie Genehmigungsworkflows für wesentliche Änderungen
- Erstellen Sie Styleguides für Benennungskonventionen und Beschreibungen
- Pflegen Sie ein Taxonomie-Änderungsprotokoll, um die Entwicklung über die Zeit nachzuvollziehen
Regelmäßige Audits helfen, Probleme zu identifizieren, bevor sie systemisch werden. Prüfen Sie unter anderem auf:
- Verwaiste Produkte, die keiner passenden Kategorie zugeordnet sind
- Doppelte oder überlappende Kategorien, die Kunden verwirren
- Unbenutzte Klassifikationen, die das System unnötig verkomplizieren
- Unvollständige Attributdaten, die Suche und Filterfunktion beeinträchtigen
- Inkonsistente Benennung über ähnliche Artikel hinweg
- Kategorien mit zu vielen oder zu wenigen Produkten
Kennzahlen helfen, den Zustand der Taxonomie zu überwachen:
- Verteilung von Kategorientiefe und -breite
- Anzahl der Produkte pro Kategorie (zur Identifikation von Ausreißern)
- Attribut-Vollständigkeitsraten nach Klassifikation
- Sucherfolgsquoten und Suchanfragen ohne Ergebnisse
- Abbruchpunkte in der Navigation
- Nutzungsmuster von Filtern
Werkzeuge unterstützen Governance durch automatisierte Validierung:
- Kennzeichnung von Produkten, denen für ihre Klassifikation erforderliche Attribute fehlen
- Verhindern der Zuordnung zu unpassenden Kategorien anhand von Regeln
- Identifikation von Ausreißern, die auf Datenqualitätsprobleme hinweisen können
- Vorschläge für Kategorien oder Attribute basierend auf Produktbeschreibungen
- Benachrichtigungen, wenn Kategorien optimale Größen-Schwellen überschreiten
Best Practices für die Implementierung
Die Implementierung einer effektiven Product-Management-Taxonomie erfordert einen methodischen Ansatz, der theoretische Best Practices mit realen Rahmenbedingungen in Einklang bringt.
Mit Geschäftsanforderungen beginnen
Beginnen Sie mit den geschäftlichen Anforderungen statt mit technischen Möglichkeiten. Unterschiedliche Stakeholder haben unterschiedliche Bedürfnisse, und die Taxonomie muss all diesen gerecht werden:
- Kunden benötigen eine intuitive Navigation, effektive Filter und relevante Produktvergleiche, um Produkte effizient zu finden
- Merchandiser benötigen flexible Kategorisierungen für Aktionen, saisonale Kampagnen und die Produktpositionierung
- Operations benötigen stabile Klassifikationen für Fulfillment-Prozesse, Versandregeln und Lagerverwaltung
- Analytics benötigen eine konsistente Struktur für Reporting, Trendanalysen und Performance-Tracking
- Content-Teams benötigen klare Attribut-Frameworks für die Erstellung von Produktbeschreibungen und Spezifikationen
- Vertriebsteams benötigen Produkthierarchien, die mit der Art und Weise übereinstimmen, wie sie Angebote gegenüber B2B-Kunden präsentieren
Erfassen Sie diese Anforderungen, bevor Sie die Taxonomiestruktur entwerfen. Das Verständnis dafür, wie jeder Stakeholder die Taxonomie nutzt, verhindert später kostspielige Neugestaltungen.
An realen Produkten modellieren
Bauen Sie Ihre initiale Struktur anhand tatsächlicher Produkte in Ihrem Katalog auf und nicht anhand theoretischer Frameworks:
- Wählen Sie 20–30 repräsentative Produkte aus, die die Bandbreite an Komplexität und Varianten abdecken
- Legen Sie fest, wie diese Produkte klassifiziert, kategorisiert und miteinander in Beziehung gesetzt werden sollen
- Identifizieren Sie die für jeden Produkttyp benötigten Attribute
- Suchen Sie nach Mustern, die Vererbungsmöglichkeiten nahelegen
- Notieren Sie Sonderfälle und Ausnahmen, die Flexibilität erfordern
Dieser Ansatz stellt sicher, dass die Taxonomie reale Anwendungsfälle adressiert. Strukturen für zukünftige Produkttypen können jederzeit ergänzt werden, doch der Start mit realen Beispielen hält den Fokus auf der Praxis und deckt frühzeitig Herausforderungen auf.
Iteration und datengetriebene Verbesserung fördern
Ihr erstes Taxonomiedesign wird nicht perfekt sein. Starten Sie mit einer minimal funktionsfähigen Struktur und verfeinern Sie diese anhand von Nutzungsdaten:
- Suchanfragen überwachen, um Lücken in der Navigation zu identifizieren, bei denen Kunden eher suchen als browsen
- Navigationspfade verfolgen, um Stellen zu erkennen, an denen Kunden hängen bleiben oder ihre Navigation abbrechen
- Null-Ergebnis-Suchen analysieren, um fehlende Kategorien oder Attribute aufzudecken
- Filternutzung überprüfen, um zu verstehen, welche Attribute Kunden tatsächlich zur Eingrenzung verwenden
- Conversion nach Kategorie messen, um Taxonomiebereiche zu identifizieren, die Kunden verwirren oder überfordern
- Feedback sammeln, indem Merchandiser und Content-Teams gefragt werden, welche Verbesserungen ihre Arbeit erleichtern würden
Nutzen Sie diese Daten zur kontinuierlichen Verbesserung. Ergänzen Sie fehlende Kategorien, verfeinern Sie Attributdefinitionen, passen Sie die Hierarchietiefe an und optimieren Sie Vererbungsregeln auf Basis realer Nutzungsmuster statt Annahmen.
Trennung zwischen Strukturen wahren
Unterschiedliche organisatorische Strukturen dienen unterschiedlichen Zwecken und sollten unabhängig voneinander gehalten werden:
- Kundenorientierte Kategorien sind auf intuitive Navigation optimiert und orientieren sich daran, wie Kunden über Produkte denken
- Interne Klassifikationen sind auf operative Stabilität und Prozessautomatisierung ausgelegt
- Merchandising-Kategorien können saisonal oder kampagnenbezogen geändert werden, ohne die Kernstruktur zu beeinflussen
- Analytics-Hierarchien aggregieren Daten so, dass sie die Anforderungen des Business-Reportings unterstützen
Diese Trennung ermöglicht es, jede Struktur für ihren jeweiligen Zweck zu optimieren und unabhängig weiterzuentwickeln. Ein Produkt kann für operative Zwecke als „Lithium-Batterie – wiederaufladbar“ klassifiziert sein, für Kunden jedoch in „Kamera-Zubehör“ erscheinen und in der Analyse zu „Elektronik – Energieversorgung“ aggregiert werden.
Skalierung und Governance einplanen
Implementieren Sie Governance von Anfang an, selbst bei einem kleinen Katalog:
- Verantwortlichkeiten definieren, indem klare Zuständigkeiten für Taxonomieverwaltung und -änderungen festgelegt werden
- Entscheidungen dokumentieren, indem ein Taxonomie-Leitfaden gepflegt wird, der Zweck und Einsatz jeder Klassifikation und Kategorie erklärt
- Genehmigungsworkflows einrichten, die bei strukturellen Änderungen mit Auswirkungen auf mehrere Stakeholder eine Prüfung erfordern
- Benennungskonventionen festlegen, indem Standards für die Benennung von Kategorien, Attributen und Werten definiert werden
- Validierungsregeln aufbauen, indem Prüfungen für Datenqualität und Taxonomie-Compliance automatisiert werden
- Regelmäßige Audits einplanen, indem der Zustand der Taxonomie quartalsweise oder bei starkem Katalogwachstum überprüft wird
Ein früher Start mit klarer Governance verhindert das Chaos, das entsteht, wenn mehrere Personen über längere Zeit unkoordinierte Änderungen vornehmen.
Produkttaxonomien in modernen PIM-Systemen
Product Information Management (PIM)-Systeme haben sich zu einem zentralen Hub für die Verwaltung komplexer Produkttaxonomien entwickelt. Moderne PIM-Plattformen erkennen, dass das Management von Produkttaxonomien nicht nur darin besteht, Produkte in Kategorien zu organisieren, sondern ein umfassendes Framework zu schaffen, das mehrere Geschäftsbereiche gleichzeitig unterstützt.
Ein robustes PIM-System bietet native Unterstützung für alle in diesem Artikel beschriebenen Konzepte der Product-Management-Taxonomie.
Ein PIM-System ermöglicht es Organisationen, Klassifikationen zu definieren und zu pflegen, die beschreiben, was Produkte sind, getrennt von Kategorien, die festlegen, wo sie verkauft werden. Es verwaltet mehrstufige Produkthierarchien für Variantenbeziehungen, implementiert ausgefeilte Attribut-Vererbungsmodelle zur Reduzierung manueller Dateneingaben und pflegt Produktlinien, Bundles und Assoziationen, die Merchandising und Kundenerlebnis vorantreiben.
Der Mehrwert eines PIM-Systems geht weit über einfache Datenspeicherung hinaus. Es erzwingt Governance durch Validierungsregeln, verwaltet Attributdatentypen, um sicherzustellen, dass Filter korrekt funktionieren, unterstützt die Abbildung auf externe Klassifikationsstandards wie eCl@ss und ETIM und ermöglicht Multi-Channel-Publishing, bei dem dieselbe Taxonomie unterschiedliche Marktplätze mit ihren spezifischen Anforderungen bedient. Moderne PIM-Systeme bieten zudem Workflow-Funktionen für Taxonomieänderungen, Audit-Trails für Compliance und APIs, über die Taxonomiedaten E-Commerce-Plattformen, Analyse-Tools und anderen Geschäftssystemen bereitgestellt werden.
AtroPIM ist ein Beispiel für diesen ganzheitlichen Ansatz und unterstützt alle in diesem Artikel beschriebenen Konzepte. Es bietet eine flexible Plattform zum Aufbau und zur Verwaltung skalierbarer Produkttaxonomien mit Klassifikationen, Kategorien, Hierarchien, Attributvererbung, Produktlinien, Bundles und Assoziationen. Organisationen, die AtroPIM einsetzen, können anspruchsvolle Taxonomiestrategien ohne individuelle Entwicklung umsetzen, ihre Taxonomien an sich wandelnde Geschäftsanforderungen anpassen und Konsistenz über alle Kanäle hinweg sicherstellen, über die ihre Produkte verkauft werden.