Wichtige Erkenntnisse

ETIM ist ein Produktklassifikationsstandard (Elektro, HLK, Installation). Er definiert Klassen und Merkmale, sodass Hersteller, Händler und Softwaresysteme dieselbe Sprache sprechen.

BMEcat ist ein XML-basiertes Katalogaustauschformat des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik. Es überträgt Produktdaten, wurde jedoch nicht für ETIM entwickelt. Heute ist es weitgehend veraltet und wird durch xChange ersetzt.

ETIM xChange ist der moderne, JSON-basierte Nachfolger von BMEcat, speziell für ETIM-Daten entwickelt.

  • Direkte Abbildung auf ETIM-Klassen, Merkmale und Werte
  • Unterstützt API-Integration und automatisierte Workflows
  • Aktuelle Version: v2.0 (Nov 2025) — ergänzt Umwelt-, Verpackungs- und Mediendaten

ETIM xChange wird von Herstellern, Händlern und Softwareanbietern genutzt, um strukturierte Produktdaten effizient auszutauschen.


Die drei grundlegenden Bausteine verstehen

Bevor wir beginnen, lohnt es sich, drei Begriffe klar voneinander abzugrenzen, die in diesem Umfeld ständig verwendet werden – und manchmal sogar austauschbar, obwohl sie sehr unterschiedliche Bedeutungen haben.

ETIM

ETIM (European Technical Information Model) ist ein Produktklassifikationsstandard. Er definiert eine gemeinsame Sprache zur Beschreibung technischer Produkte, insbesondere in der Elektro-, HVAC- und Installationsbranche. Dies geschieht über eine strukturierte Bibliothek aus Klassen (Produkttypen) und Merkmalen (Attributen), jeweils mit definierten Werttypen und Einheiten.

Vereinfacht gesagt: ETIM beschreibt, was ein Produkt ist und welche Eigenschaften es hat – auf eine Weise, auf die sich Hersteller, Händler und Softwaresysteme gleichermaßen einigen können.

Ein Leitungsschutzschalter heißt nicht bei jedem Lieferanten ein wenig anders, denn in ETIM hat er eine feste Klasse, feste Merkmale und fest definierte zulässige Werte. Genau diese Konsistenz ist der Kern des Konzepts.
ETIM wird von ETIM International gepflegt, einer gemeinnützigen Organisation mit nationalen Mitgliedsverbänden in Europa und darüber hinaus.

BMEcat

BMEcat ist ein XML-basiertes Dateiformat für den elektronischen Austausch von Produktkatalogen zwischen Handelspartnern. Es wurde vom BME (Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik) in Deutschland entwickelt und setzte sich in der technischen Handelsbranche als Standard durch, um Produktdaten von Lieferanten an Einkäufer oder Händler zu übertragen.

BMEcat ist kein Klassifikationssystem – es ist ein Container.

BMEcat definiert, wie eine Produktkatalogdatei strukturiert sein soll: welche Felder enthalten sind, wie sie organisiert werden und wie auf Bilder und Dokumente verwiesen wird. Im Laufe der Zeit wurde BMEcat um die Möglichkeit erweitert, ETIM-Klassifikationsdaten zu transportieren – dies war jedoch eher ein Workaround als eine saubere Lösung. Das Format war ursprünglich nicht für ETIM konzipiert, und diese Diskrepanz führte zu Reibungsverlusten.

BMEcat hat der Branche viele Jahre gute Dienste geleistet, gilt heute jedoch als Legacy-Format und wird schrittweise durch seinen Nachfolger ETIM xChange ersetzt.

ETIM xChange

ETIM xChange ist der offizielle Nachfolger von BMEcat – ein modernes, JSON-basiertes Austauschformat für Katalogdaten, das von Grund auf für die Arbeit mit der ETIM-Klassifikation entwickelt wurde. Dies stellt einen bedeutenden Wandel gegenüber BMEcat dar: xChange verwendet JSON statt XML (entwicklerfreundlicher, besser lesbar und besser für API-basierte Integrationen geeignet), und die ETIM-Unterstützung ist von Anfang an integriert statt nachträglich angebaut. Die Struktur einer xChange-Datei bildet das ETIM-Datenmodell direkt ab: Klassen, Merkmale, Werte und Release-Versionen sind zentrale Bestandteile des Formats.

ETIM xChange wird von ETIM International entwickelt und gepflegt und ist das Format, auf das sich die Branche aktuell für den Austausch ETIM-klassifizierter Produktdaten zwischen Herstellern, Händlern und Softwareplattformen zubewegt.

Schneller Überblick: ETIM vs. BMEcat vs. ETIM xChange

ETIM BMEcat ETIM xChange
Was es ist Ein Produktklassifikationsstandard Ein Austauschformat für Katalogdateien Ein Austauschformat für Katalogdateien
Zweck Definiert, wie Produkte beschrieben und klassifiziert werden Überträgt Produktkataloge zwischen Handelspartnern Überträgt ETIM-klassifizierte Produktkataloge zwischen Handelspartnern
Entwickelt von ETIM International BME (Deutschland) ETIM International
Status Aktiv – wird regelmäßig aktualisiert Legacy – wird schrittweise abgelöst Aktiv – der empfohlene Standard
ETIM-Unterstützung Es ist ETIM Nachträglich ergänzt, nicht nativ Von Anfang an integriert
Dateiformat Kein Dateiformat XML JSON
Wer es nutzt Hersteller, Händler, Softwareanbieter Hersteller, Händler (historisch) Hersteller, Händler, Softwareanbieter

Aktuelle Version

ETIM xChange Version 2.0 ist die aktuelle offizielle Version und wurde am 27. November 2025 von ETIM International veröffentlicht.

Der Standard hat eine kurze, aber bedeutende Versionshistorie:

  • Version 1.0 — veröffentlicht am 19. Februar 2024. Die erste Version: der erste Produktdatenaustauschstandard, der vollständig von ETIM International verantwortet wird, in JSON aufgebaut und für den globalen Einsatz konzipiert.
  • Version 1.1 — ein Patch-Release, das einen Fehler im JSON-Schema im Zusammenhang mit imperialen und lokalen Standard-Merkmalscodes behoben und die Feldlänge für den Warencode angepasst hat. Vollständig abwärtskompatibel zu 1.0.
  • Version 2.0 — veröffentlicht am 27. November 2025. Ein größeres Update mit erweiterten Umweltdatenfeldern (LCA/EPD) für Nachhaltigkeitsberichte, neuen Datenelementen zu Verpackungsmaterialien zur Erfüllung der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) sowie der Wiedereinführung von MD-Codes (nun als geschlossene Liste von MDX-Codes) zur präziseren Medientyp-Spezifikation.

Wenn Sie heute neu starten, sollten Sie Version 2.0 anpeilen. Wenn Sie bereits mit 1.0 oder 1.1 arbeiten, ist ein Upgrade klar der empfohlene Weg.

Für wen ist ETIM xChange gedacht?

Hersteller nutzen es, um strukturierte Produktinformationen an ihre Vertriebspartner zu übermitteln. Anstatt kundenspezifische Tabellen oder PDFs an jeden Kunden zu senden, erstellen sie eine einzige xChange-Datei, die alle verwenden können.

Großhändler und Distributoren verwenden es, um diese Daten zu empfangen und ohne großen manuellen Aufwand in ihre ERP-Systeme, E-Commerce-Plattformen oder PIM-Tools zu importieren.

Software- und ERP-Anbieter integrieren ETIM-xChange-Import- und Exportfunktionen in ihre Plattformen, damit ihre Kunden keine manuellen Prozesse mehr benötigen.

Wie ETIM xChange funktioniert

Das Grundprinzip ist einfach: Ein Hersteller verpackt seine Produktdaten im xChange-Format und übergibt sie an einen Distributor, der sie in sein System importiert. Keine individuellen Mappings. Kein Hin und Her über Feldnamen. Stattdessen eine saubere, strukturierte Datei, die beide Seiten verstehen.

Ein einfaches Beispiel: Ein Hersteller produziert Leitungsschutzschalter. In der xChange-Datei wird jedes Produkt einer ETIM-Klasse zugeordnet, zum Beispiel EC000049 (Leitungsschutzschalter). Diese Klasse verfügt über einen definierten Satz an Merkmalen: Nennstrom, Polzahl, Ausschaltvermögen usw. Der Hersteller füllt diese Werte aus, verpackt alles und versendet die Datei. Das System des Distributors empfängt sie, erkennt die Struktur und importiert die Daten direkt in die richtigen Felder – ohne Rätselraten oder manuelle Eingriffe.

Da xChange auf JSON basiert, eignet es sich zudem hervorragend für den direkten API-Austausch anstelle reiner Dateiübertragungen und eröffnet damit den Weg zu stärker automatisierten, nahezu in Echtzeit ablaufenden Produktdatenprozessen.

Zentrale Konzepte, die Sie kennen sollten

ETIM-Klassen und Merkmale
Jedes Produkt in xChange wird einer ETIM-Klasse mit einem festen Satz an Merkmalen und definierten Werttypen zugeordnet. Eigene Felder können nicht hinzugefügt werden – die Struktur ist abgestimmt und entlang der gesamten Lieferkette konsistent.

ETIM-Release-Versionen
ETIM aktualisiert sein Klassifikationsmodell regelmäßig (ETIM 9, ETIM 10 usw.). Beim Datenaustausch sollte immer geklärt sein, welche ETIM-Version der Handelspartner erwartet – Abweichungen zwischen Sender und Empfänger gehören zu den häufigsten Fehlerquellen. Dasselbe gilt für die Version des xChange-Formats selbst (v1.x vs. v2.0).

Aufbau einer xChange-Datei
Eine xChange-Datei besteht aus einem Header (Lieferanteninformationen, Datum, ETIM-Version), gefolgt von den Produktdatensätzen. Ein nützlicher Aspekt von xChange ist die klare Trennung zwischen Produkten (Basisartikel und technische Eigenschaften), Handelsartikeln (kaufbare Konfigurationen) und Verpackungseinheiten, was Redundanzen reduziert, wie sie bei BMEcat häufig auftraten.

Validierung, Zertifizierung und Mitgliedschaft
Dateien können vor dem Versand gegen das ETIM-JSON-Schema validiert werden, wodurch Fehler frühzeitig erkannt werden – falsche Datentypen, fehlende Pflichtfelder oder Werte außerhalb zulässiger Bereiche – anstatt erst beim Empfänger Probleme zu verursachen.

Dabei ist eines wichtig klarzustellen: offizielle Validierung und Zertifizierung sind an eine ETIM-Mitgliedschaft gebunden. Unternehmen, die ihre Produktdaten offiziell als ETIM-konform zertifizieren lassen möchten, müssen Mitglied der ETIM-Organisation sein – entweder direkt oder über ihren nationalen Verband. Die Mitgliedschaft bietet Zugang zu den offiziellen Validierungstools, der vollständigen Klassifikationsdatenbank und dem Zertifizierungsprozess selbst. Für erste Tests oder eine Evaluierung ist sie nicht zwingend erforderlich, doch für den produktiven kommerziellen Einsatz gilt sie zunehmend als Standardanforderung, die Handelspartner erwarten werden.

Erste Schritte mit ETIM xChange

1. Klassifizieren Sie Ihre Produktdaten
Bevor Sie eine xChange-Datei erstellen können, müssen Ihre Produkte nach ETIM klassifiziert sein. Der ETIM-Webshop ist der Ort, an dem Sie Klassen, Merkmale und zulässige Werte für jede Release-Version durchsuchen können.

2. ETIM beitreten
Für den kommerziellen Einsatz mit offizieller Validierung und Zertifizierung ist eine ETIM-Mitgliedschaft (direkt oder über Ihren nationalen Verband) der richtige Schritt. Sie erhalten Zugang zu den Werkzeugen und zur formalen Anerkennung, die Handelspartner erwarten.

3. Die passenden Tools auswählen
xChange-Dateien werden nicht von Hand erstellt. Die meisten Hersteller nutzen ein PIM-System oder einen dedizierten Datenpool, der den xChange-Export unterstützt. Fragen Sie im Zweifel Ihren Softwareanbieter – es ist inzwischen eine zunehmend verbreitete Standardfunktion.

4. Ziel-ETIM-Release mit dem Handelspartner abstimmen
Nicht einfach annehmen – klären Sie, welches ETIM-Release und welche xChange-Formatversion Ihr Partner erwartet, und stellen Sie sicher, dass Ihre Exporteinstellungen dazu passen.

5. Vor dem Versand validieren
Prüfen Sie Ihre Datei mit einem Validator, bevor Sie sie weitergeben. Fehler in dieser Phase zu erkennen, spart viel Zeit und Rückfragen.

6. Klein anfangen
Wählen Sie eine Produktfamilie, setzen Sie sie korrekt um, validieren Sie sie, teilen Sie sie und holen Sie Feedback ein. Bauen Sie darauf auf, anstatt gleich Ihren gesamten Katalog auf einmal zu exportieren.

Häufige Herausforderungen (und wie man sie vermeidet)

Falsche oder fehlende Klassifizierung
Wird ein Produkt der falschen ETIM-Klasse zugeordnet, passt der Merkmalsumfang nicht und die Daten sind falsch oder unvollständig. Sorgfältiges Mapping zu Beginn zahlt sich langfristig deutlich aus.

Unvollständige Merkmalswerte
ETIM-Klassen haben Pflicht- und optionale Merkmale. Werden Pflichtmerkmale nicht befüllt, führt das zu Validierungsfehlern. Auch optionale Merkmale sollten – sofern Daten vorhanden sind – ausgefüllt werden, da sie den Katalog für die Empfänger deutlich wertvoller machen.

Schlechte Quelldaten
ETIM xChange kann nur so gut sein wie die zugrunde liegenden Daten. Sind Ihre internen Daten inkonsistent, unvollständig oder unstrukturiert, kann kein Format das beheben. Saubere, strukturierte Quelldaten sind eine Voraussetzung – kein nachträglicher Schritt.

Als einmalige Aufgabe betrachten
Produktdaten ändern sich ständig: neue Produkte, aktualisierte Spezifikationen, neue ETIM-Releases. xChange ist ein fortlaufender Prozess, kein Projekt mit einem Enddatum. Integrieren Sie ihn von Anfang an in Ihre regulären Arbeitsabläufe.

Tools und Ressourcen

ETIM International www.etim-international.com — die zentrale Anlaufstelle für alles rund um ETIM: Klassifikationsdatenbank, xChange-Dokumentation, Release-Downloads und Informationen zur Mitgliedschaft.

ETIM xChange Validation Tool — ein offizielles Online-Tool von ETIM International, das Ihre xChange-Datei gegen das JSON-Schema und die referenzierte ETIM-Klassifikation validiert. Die erste Prüfstufe, bevor eine Datei an einen Handelspartner gesendet wird.

PIM-Systeme mit xChange-Unterstützung — ein gutes PIM übernimmt die Hauptarbeit bei der Erstellung gültiger ETIM-xChange-Kataloge, sodass Sie sich nicht mit rohem JSON beschäftigen müssen. Mehrere Plattformen unterstützen dies bereits standardmäßig:

  • AtroPIM ist ein Open-Source-PIM mit hoher Flexibilität und Unterstützung für ETIM-Klassifikation und xChange-Export. Eine solide Option für Hersteller, die eine anpassbare Lösung ohne hohe Lizenzkosten suchen.
  • Akeneo ist eine der weltweit am weitesten verbreiteten PIM-Plattformen mit einem breiten Partner-Ökosystem und verfügbaren Konnektoren für ETIM-Datenmanagement und xChange-kompatible Exporte.
  • Contentserv ist eine PIM- und Product-Experience-Plattform mit starker Unterstützung für technische Produktdaten und Industriestandards, häufig eingesetzt von Herstellern in der Elektro- und Installationsbranche.
  • Plytix ist ein PIM für mittelständische Unternehmen mit wachsender Unterstützung für strukturierte Produktdatenexporte und ETIM-nahe Workflows.

Prüfen Sie bei der Auswahl eines PIM stets, welche ETIM-Release-Versionen und xChange-Formatversionen unterstützt werden und ob eine Validierung in den Workflow integriert ist.

ETIM nationale Organisationen — die meisten Länder mit aktiver ETIM-Nutzung verfügen über eine nationale Organisation (ETIM UK, ETIM Deutschland, ETIM Niederlande usw.), die Support, Schulungen und Beratung anbietet. Sie sind auch die erste Anlaufstelle für eine Mitgliedschaft.

Datenpools und Managed-Service-Anbieter — Unternehmen wie DDS und ChannelEngine bieten Managed Services rund um den ETIM-Datenaustausch an, wenn Sie den technischen Teil nicht intern abbilden möchten.


Bewertet mit 0/5 basierend auf 0 Bewertungen